Vier Jahrzehnte Gemeinschaft, Tradition und gelebtes Dorfleben.
Seit mittlerweile 40 Jahren gehören die Spinnstubenfrauen fest zum gesellschaftlichen Leben in Gispersleben. Was am 22. März 1986 mit der Gründung durch die damalige Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer festen Institution im Ort.
Die Gründung erfolgte im Rahmen eines Auftrags der damaligen Partei und Regierung, das kulturelle Leben in den ländlichen Regionen wieder stärker zu fördern. Im Zuge einer Versammlung der GPG „Voran“ Erfurt, die sich auf die Zierpflanzenproduktion spezialisiert hatte, wurde die Idee einer Spinnstube in Gispersleben umgesetzt. Zu den engagierten Unterstützern der ersten Stunde gehörte unter anderem Dieter Kästner. m. Mehr als 20 Frauen gehörten zu den Gründungsmitgliedern. Die Spinnstube war von Anfang an fest in Frauenhand – Männer waren lediglich als Fahrer oder bei besonderen Gelegenheiten gern gesehene Gäste.
Ihre ersten Vereinsräume fanden die Spinnstubenfrauen in der „Villa“ in der Ringstraße, welche gegenüber dem Bürgerhaus stand. Nach 1992 wechselte die Gruppe mehrfach ihre Treffpunkte im Ober- und Unterdorf. Ob Speiseraum der Grundschule, Gemeindesaal oder Räume der katholischen Kirche – die Gemeinschaft fand stets einen Ort für ihre Treffen.
Von Beginn an engagierten sich die Frauen aktiv für das Dorfleben. Handarbeiten, Bastelarbeiten und vor allem das Backen von Kuchen für die Gisperslebener Kirmes gehörten zu ihren wichtigsten Aufgaben. Besonders die Kuchen für die Kirmes sind bis heute eine liebgewonnene Tradition. Auch bei zahlreichen Ortsjubiläen unterstützten die Frauen mit großem Engagement und nahmen in historischen Gewändern an Festumzügen teil. Neben dem ehrenamtlichen Einsatz kam auch das gesellige Miteinander nie zu kurz. Ganz nach dem Motto *„Man soll die Feste feiern, wie sie fallen“* wurden Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen, Fasching und viele weitere Anlässe gemeinsam gefeiert. Aus der Spinnstube entstand über die Jahre weit mehr als eine Gemeinschaft für Handarbeiten – es entstanden Freundschaften, die bis heute bestehen.
Eine prägende Persönlichkeit war dabei viele Jahre lang Silly Knauerhase. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass die Gisperslebener Spinnstubenfrauen eine außergewöhnliche Partnerschaft mit der Spinnstube im hessischen Hombressen aufbauten. Über eine Zeitungsanzeige, mit der Gleichgesinnte für einen Austausch gesucht wurden, entstand der erste Kontakt. Seit 1990 folgten zahlreiche gegenseitige Besuche, gemeinsame Reisen und viele unvergessliche Begegnungen. Aus der Partnerschaft entwickelten sich enge Freundschaften, die teilweise bis heute bestehen. Vier Jahrzehnte später blicken die Spinnstubenfrauen auf eine bewegte Geschichte voller Engagement, Tradition und Zusammenhalt zurück. Sie haben das kulturelle Leben in Gispersleben über viele Jahre aktiv mitgestaltet und bereichert.
Das Gispi-Journal gratuliert den Gisperslebener Spinnstubenfrauen herzlich zum 40-jährigen Bestehen und wünscht ihnen weiterhin viele schöne gemeinsame Stunden, Gesundheit und Freude für die kommenden Jahre.
Text: Michael Kremer I Bild: private Sammlung Hella Lenke