Die Schicksalsfrage für den TSV Motor in der Fußball-Landesklasse
Mit vollem Wind in den Segeln nahm das Motor- Schiff in dieser Saison schnell Fahrt auf und hatte sogar gegenüber einigen Meisterschaftsfavoriten die Nase vorn: Siege gegen Sondershausen und Erfurt- Nord. So konnte man annehmen, dass Motor in dieser Spielzeit Stürme übersteht und bei ruhigem Wasser ins Ziel steuert. Doch das war ein Trugschluss. In der Folgezeit kam das Schiff öfter ins Schlittern. Es mangelte an Konstanz, so dass man sich nie deutlich aus dem Abstiegsbereich lösen konnte. Die Zahlen bis einschließlich 25. Spieltag sprechen Bände: drittschlechtestes Heim- und Auswärtsteam, deutlich negative Tordifferenz, nach der Winterpause nur einen Punkt gegen die anderen potenziellen Abstiegsanwärter geholt. Achtbare Erfolge wie gegen Borntal (1:0) und gegen Sömmerda (4:2- Sieg nach 0:2- Rückstand) waren Eintagsfliegen. Im letztgenannten Spiel brillierte der eingewechselte Oliver Puschner als Spielgestalter im Mittelfeld. Diese Rolle als Nachfolger von David Schönherr war ihm schon lange zugedacht. Hier kann er nach vorn stoßen, seine Mitspieler in Szene setzen und selbst torgefährlich werden. Das zahlte sich aus: Er erzielte selbst zwei Tore und bereitete ein weiteres durch einen Pass in die Tiefe vor. Motor sollte auf sich schauen und sich nicht darauf verlassen, ob Nordhausen und/ oder Büßleben aus der Verbandsliga absteigen. Ins Kuriositätenkabinett gehört die Tatsache, dass keine der erstplatzierten Mannschaften (Sondershausen, Walschleben, Wüstheuterode) vorwiegend aus finanziellen Gründen in die Verbandsliga aufsteigen will. Auch der 4. dazu berechtigte Tabellenplatz ist deswegen nicht gefragt. All das hat Einfluss auf die Abstiegsentscheidung und könnte bis zum Schluss unklar sein.
Wie könnte Motor noch im sicheren Hafen ankommen? Zum einen müsste die schon in Gang gekommene Unterstützung durch den Einsatz von erfahrenen Spielern aus der 2. Mannschaft regelmäßig erfolgen, wenn Not am Mann ist. Der 2. Mannschaft ist die Meisterschaft in der Kreisliga auf Grund ihrer überragenden Bilanz zu gönnen. Letzten Endes ist es bedeutungslos, ob sie 1, 2 oder 3 Spiele verliert. Die Krönung mit dem Aufstieg in die Kreisoberliga ist aber nur möglich, wenn die 1. Mannschaft nicht in diese Klasse absteigt. Die besten Spieler gehören in der Startelf auf den Platz. Durch Einwechslungen nach 0:3- Rückstand konnte mehrmals nur noch Schadensbegrenzung betrieben werden. Der langfristige Ausfall von Leistungsträgern (z.B. Kölzner. Zorr, Puschner, Drößler, zuletzt auch die Torjäger Afokpene und Säubert) macht es nicht leicht, eine Elf mit Erfolgsaussichten auf die Beine zu stellen. Deshalb gilt es, gemeinsam auszuloten, wie aus dem eigentlich großen Kader der Männerschaften eine erfolgreiche Schiffsbesatzung gebildet werden kann.
Wenn diese Ausgabe erscheint, stehen noch drei Spieltage an. Es bleibt zu hoffen, dass Motor dann auf einem guten Weg zum rettenden Ufer ist.
Text: Roland Schnellknecht I Bild: Ki-generiert